Auf Grund der lokalen Vielfalt existiert kein allgemeingültiges
Konzept der Arbeit unserer Aufklärungsprojekte. Die verschiedenen
Gruppen haben sich selbstständig entwickelt und besitzen eine eigene
Struktur. Trotz der Unterschiede gibt es viele Gemeinsamkeiten in
der Didaktik und Methodik.
Durch gemeinsame Qualitätsstandards existiert ein grundlegender
Rahmen der lesbischwulen Aufklärung bei SchLAu NRW. So werden in der
Vorbereitung auf eine Aufklärungsveranstaltung in einem Vorgespräch
mit den Lehrer/innen oder Ansprechpartnern/innen die
Rahmenbedingungen der Veranstaltung geklärt. Die angewandten
Arbeitsformen und Methoden, die in der Veranstaltung durchgeführt
werden sollen, werden vorher individuell für die Zielgruppe
zusammengestellt. Die Durchführung einer Veranstaltung umfasst
mindestens 90 Minuten und wird von mindestens zwei Teamern/innen
durchgeführt. Ein solches Aufklärungsteam ist dabei immer mindestens
mit einem Mann und einer Frau besetzt, um sowohl lesbische als auch
schwule Perspektiven authentisch vermitteln zu können. Am Ende einer
Aufklärungsveranstaltung wird ein mündliches oder schriftliches
Feedback der Teilnehmer/innen eingeholt. Die Nachbereitung umfasst
die Reflexion der Aufklärungsveranstaltung im Team. Im Blick stehen
dabei das Verhalten der Teamer/innen, mögliche Verbesserungen und
die Methodenauswahl. Auch im Gespräch mit dem/der Lehrer/in wird die
Veranstaltung reflektiert. Für genauere Informationen ist es ratsam,
sich mit einem der lokalen
Projekte vor Ort
in Verbindung zu setzen.
Die regionalen Projekte arbeiten nach den Prinzipien einer modernen
Sexualpädagogik, die persönliche Einstellungen, Scham- und
Intimsphäre aller Beteiligten respektiert. Trotz der Vielfalt und
der Eigenständigkeit der lokalen Gruppen arbeiten alle auf einer
soliden methodischen Basis, die professionelle Qualität erreicht und
ein kompetentes Auftreten bei den Aufklärungsveranstaltungen
gewährleistet. Ermöglicht wird dies neben gruppeninterner Reflexion,
Weiterbildung und Diskussion durch das vielfältige Aus- und
Weiterbildungsangebot sowie die regelmäßigen landesweiten
Vernetzungstage von SchLAu NRW. Darüber hinaus existiert mit der
SchLAuen Kiste eine
professionelle und zielgruppenadäquat einsetzbare Methodensammlung,
auf die alle Gruppen zurückgreifen können. Die Evaluation der
lesbischwulen Aufklärungsarbeit mit der SchLAuen Kiste in NRW aus
dem Jahre 2005 ergab, dass die SchLAue Kiste eine hohe Akzeptanz in
den lesbischwulen Aufklärungsgruppen erfährt. Die Methoden und
Anregungen werden in unterschiedlicher Weise umgesetzt. Die Wirkung
der eigenen Arbeit, unterstützt durch die SchLAue Kiste, wird als
hoch bis sehr hoch eingeschätzt.
Wie sieht nun der Verlauf einer SchLAuen Veranstaltung mit
Jugendlichen aus?
Folgende Methoden können zum Einsatz kommen:
Nach der Begrüßung und Vorstellungsrunde wird zum Beispiel eine
spielerische Methode eingesetzt, die dem Bewegungsdrang der
Jugendlichen entgegenkommt, die Atmosphäre auflockert und Nervosität
abbaut.
Daran schließen sich später in unterschiedlichen Arbeitsformen
Spiele oder eine Fragerunde an, die in ein offenes Gespräch
übergehen können. Dabei werden Vorurteile oder Klischees hinterfragt
und persönliche Lebenserfahrungen weitergegeben. Meist beendet eine
Abschlussrunde mit der Möglichkeit zu einem Feedback die
Veranstaltung.
Ein Schwerpunkt jeder Veranstaltung ist die persönliche
Gesprächsrunde, in der ein direkter Dialog mit den Jugendlichen
gesucht wird. Als lesbische, bisexuelle oder schwule Schüler/innen,
Studierende, Zivildienstleistende, Auszubildende oder Berufstätige
stehen die Mitarbeiter/innen der Aufklärungsteams mitten im Leben
und können so Informationen aus erster Hand liefern - von jungen
Erwachsenen und Jugendlichen für Jugendliche.
Ihre ganz persönlichen Erlebnisse sowie die Bereitschaft und Freude,
ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen, machen sie zu Experten/innen
in der Aufklärung. Glaubwürdiger als jedes Buch können sie
authentisches Wissen und persönliche Erfahrungen an die Jugendlichen
weitergeben. Im sachlichen Dialog mit den Aufklärer/innen können die
Jugendlichen Unwissenheit und Berührungsängste abbauen und Respekt
gegenüber Menschen mit anderen Einstellungen und Anschauungen
erlernen.